Samstag, 27. April 2013

Provoziert: Sturm auf den Vodno



Übermächtiges Stahlkreuz auf dem Vodno
In Skopje haben sich wohl alle meine kleinen Sticheleien gerecht – karmatechnisch, nehme ich an. Erst spielt dieser eigenartige Couchsurfer dieses Polizeispiel am Messegelände mit mir und dann zwingt er mich auch noch den Vodno zu stürmen. Letzterer ist der Hausberg der Stadt und könnte prinzipiell mit der Seilbahn erklommen werden. Aber als ambitionierter Bergsteiger verweigert er mir natürlich diese Möglichkeit. Hinter ihm her keuchend schleppe ich mich die steilen Pfade hinauf, frage nach Pausen – die mir nicht gewährt werden. Der Ausblick ist schön, jaja…aber das ändert nichts an diesen Qualen, die ich mir hier antun muss. Über eine Stunde wandern wir über Stock und Stein – teilweise auf allen Vieren, da die Bergwände so steil sind. Was das übergroße Stahlkreuz auf dem Gipfel angeht, erfahre ich, dass es Teil des Skopje 2014 Projekts ist. Es wurde zwar schon 2000 zur Jahrhundertwende errichtet, war jedoch der Beginn der massiven Umgestaltung der Stadt. Bei einem eigenartigen, bläulich schimmernden Tee erklärt mir der Bergsteiger mehr über die über 40 Skulpturen, die vor einiger Zeit über Nacht in der mazedonischen Hauptstadt aufgestellt wurden und wie der Staat versucht, eine Nation in Nachfolge des alexandrinischen Staates aufzubauen. Eigentlich will er gar nicht über Politik reden. Das alles ist ihm zuwider und deshalb bohre ich nach. Er fällt natürlich zurück in das ganze Gerede über Natur, Berge, Berghänge, Kühe und keine Ahnung, was es sonst noch gibt. Ich lasse davon natürlich nicht ab. Frage, was da auf dem bunkerartigen Komplex geschrieben steht, obwohl ich genau verstehe, dass es hier um die Zurückschlagung der Faschisten im Zweiten Weltkrieg geht. Hatten die sich hier verbarrikadiert, oder was? Es scheint fast so - er nickt, verzieht die Mundwinkel nach unten und ergänzt: "Ja, die Faschisten." Zum Vorteil für mich ist er irgendwann so genervt, dass er sich den gemeinsamen, stundenlangen Abstieg mit mir erspart und einwilligt, den Lift zu Tale zu nehmen.
Auf halbem Wege: Blick auf Skopje
Die Seilbahn, die man hätte nehmen können
Gipfel und Natur
Und nochmal das Milleniums-Kreuz mit jeder Menge Antennen



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