Dienstag, 16. April 2013

Provokation 3: Mit dem Panathinaikos-Shirt nach Piräus



Olympiakos Piräus und Panathinaikos Athen sind in Sachen Fußball absolute Erzfeinde. Auch wenn beide Orte quasi eine Stadt bilden und Piräus nur als Halbinsel in das Mittelmeer hineinragt, versteht man sich nicht wirklich gut. Und wer mit dem falschen Trikot das legendäre Hafenviertel betritt, riskiert es zumindest, gewaltig eine aufs Auge zu bekommen. Nachdem die vorherigen Reaktionen eher mittelmäßig ausgefallen waren, bin ich dieses Mal hoffnungsvoll, Zorn und Wut zu entfachen.

Das T-Shirt hole ich mir im Zentrum rund um den Omonia-Platz, das wohl berüchtigste Diebes- und Drogenviertel – sagt man mir. Vielleicht komme ich später mit dem Jersey des anderen Vereins hier her.

In Piräus angekommen bin ich der Blicke sicher. Jeder starrt mich an, sagt aber nicht. Der unverständliche Zorn ist ihnen ins Gesicht geschrieben. Warum denn nur? Ist doch nur Fußball, denkt man sich – und ich nur ein harmloser Tourist, der es nicht besser weiß. Irgendwann komme ich auf die Idee, in den Jachthafen zu gehen, da ich bereits am nächsten Tag nach Delfi will. Galaxidi, ein griechisches Ferienresort, liegt in der Nähe des Orakels und gleichzeitig am Meer. Vielleicht will mich ja irgendein Segler mitnehmen, wenn ich das Deck schrubbe. Im falschen Trikot zu fragen, lässt mich darüber hinaus wahrscheinlich noch sympathischer erscheinen.

Dummerweise kommt man nicht so einfach zu den Anlegestellen bzw. findet sie nicht. Das ist wirklich schlecht. Ich hatte mich bereits darauf gefreut, eine Woche im Hafen zu leben, um endlich jemanden zu finden, der meiner Anfrage positiv zustimmt. Entnervt gehe ich in ein Internetcafé und hol mir den ersten Ouzo des Tages. Über Facebook schneit mir eine Anfrage hinein: Ob ich nicht mit auf einen Berg möchte – ich werde auch gefahren. Plötzliches Umdenken: Gefahren werden, wie? Der Schnorrerinstinkt kommt durch und wenige Stunden später sitze ich an einem zypressenbewachsenen Abhang und blicke auf die funkelnden Dächer Athens.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen