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| Trampen mit dem Stern von Vergina am Olymp |
Wenn man von Griechenland nach Mazedonien trampen möchte, wird man mit einem riesigen Problem konfrontiert. Die Destination gibt es im öffentlichen Bild der Griechen gar nicht. Mazedonien ist Teil von Griechenland, genauso wie Alexander der Große. Fragt man nun also jemanden - demonstrativ mit einem T-Shirt, das den alexandrinischen Vergina-Stern auf rotem Untergrund zeigt* - nach einer Fahrt in dieses geheimnisvolle Land im Norden, wird man unweigerlich nach Thessaloniki gebracht oder gleich zusammengeschlagen (das T-Shirt ist politischer Sprengstoff). Auf das Angebot erwidert man natürlich: Nein, nein – ich meine Mazedonien, das große und ruhmreiche, slawische, von Alexander dem Großen, dem durch und durch schwulen, antiken Feldherren gegründete Land im Norden, das hierzulande auch unter Skopje bekannt ist. FYROM?, wird verunsichert und mit reichlich Wut im Bauch geantwortet – doch auch das muss man natürlich ablehnen, wenn man die Griechen zur Weißglut bringen will. So etwas wie die Ehemalige Jugoslawische Republik Mazedonien gibt es natürlich nicht, sage ich jedem zweiten Fahrer und ja, vielleicht ist auch das ein Teil der Erklärung, warum ich für 200 Kilometer 14 Autos benötigt habe. Wenn man das mal so grob durchrechnet, war jedes Mal nach 14 Kilometern Schluss. Ich tendiere natürlich dazu, alles auf die Straßenführung zu schieben, aber womöglich war die mazedonische Zielrichtung dann doch ausschlaggebend dafür, dass die Mitnahmebereitschaft gleichzeitig mit dem Lächeln im Gesicht zu Boden sank. Immerhin brachten mir die stets urplötzlichen Rausschmisse jede Menge Zeit in bezaubernden Orten wie Tirvanos ein, den ich jetzt eigentlich auch nur erwähne, um den Bogen zum Penis-Festival zu schlagen. Das findet jedes Jahr zum Karneval statt und verwandelt die Kleinstadt am Olymp in einen einzigen Phallus. Jung und Alt stülpen sich Penismasken und –kostüme über. Bei mir ist die Feier für nächstes Frühjahr auf jeden Fall fest eingeplant.
Hier ein paar Bilder vom Phallus-Fest in Tirnavos - und um Copyright-mäßig korrekt zu bleiben: Hier der Link zur durchaus lesenswerten Quelle von Vagabond BG -
Tyrnavos Festival
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| Zorniger griechischer Alexander mit Blick auf Mazedonien |
Kurz nach 10 war ich an der Grenze: Monumental starrt die Alexander-Statue auf griechischer Seite gen Mazedonien und sendet einen zornigen Blick in das slawische Land. Ich wink ihm zu und empfinde irgendwie Sympathien für die Nation. Die letzte Fahrt, ich geb es zu, im Titel bewusst gelogen zu haben, führt ein Einheimischer aus Bitola durch. Er spricht natürlich vollkommen anders über die Situation. Vom Schmerz darüber, dass man die Reiterstatue Alexander der Große in Skopje offiziell nur Kämpfer auf einem Pferd nennen darf und das Monument zu Ehren seines Vaters in Bitola stets kritisch vom Nachbarland beäugt wird. Natürlich stimme ich zunächst zu und wundere mich doch im Herausgehen was Alexander der Große denn nun für eine Sprache gesprochen habe. Bestimmt nichts Slawisches, aber Griechisch? Aristoteles soll immerhin sein Erzieher gewesen sein, aber selbst das ist ein absoluter Mythos, der genauso wenig angemessen ist, wie die mazedonische Verherrlichung des Kriegerfürsten. Andererseits: Mazedonien braucht nun einmal irgendeine Form von Identität, mit der das junge Land aus den Fußstapfen Jugoslawiens herauswachsen und ein eigenes Nationalbewusstsein bilden kann. Insofern verstehe ich schon recht gut, warum man Milliarden in die Umgestaltung von Skopje steckt, um ein monumentales Denkmal nach dem anderen zu errichten – wohlgemerkt, während die Bevölkerung mit dem Geld hinten und vorne nicht zurechtkommt. Aber nur mit Armut oder Wohlstand kann man das Volk halt nicht unter dem Joch behalten. Das braucht schon etwas mehr – Mobilisierung und eigene Begeisterung für die Sache der Nation – wie auch immer man diese konstruiert. So wenig Alexander der Große also mit dem heutigen Land Mazedonien zu tun hat, so sehr ist er für die politische Elite des Landes bedeutsam, um eine Form von untertäniger Stabilität zu schaffen – die sich bisweilen in wütenden Aufruhren gegen die albanische Bevölkerung richtet.
* wie auf der mazedonisch-mazedonischen Flagge - die griechisch-griechisch-mazedonische Flagge hat den Stern auf blauem Untergrund. Mit der blauen Version sollte ich also am besten in Mazedonien trampen. Schon lustig, wie ein einfacher Wechsel des Farbhintergrundes zu massenweise Hass führen kann. Symbole sind schon toll:
Stern von Vergina
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