Der Hafen der HafenstadtVolos ist jetzt nicht gerade die griechische Stadt, in der ich sonderlich viel Zeit verbracht hätte. Trotzdem ist sie angesichts ihrer hervorragenden Trinkkultur absolut eine Erwähnung wert. Nach meinem Rauswurf aus dem Bus vor den Toren der Stadt ging es mehrere Kilometer auf Wandertour, bevor ich endlich den Hafen erreichte. Erst den Fischerhafen – doch der war nicht mein Ziel. Dann den Jachthafen – auch hier sollte ich nicht abgeholt werden. Letztlich wartete mein Gastgeber, ein junger, aufstrebender oder wie auch immer man sagen möchte Entrepreneur mit Fokus auf Texterstellung etc. am weitentfernten Fährhafen auf mich. Gut, gut – wir verstanden uns prächtig und auf Provokationen reagierte er nur mit einem Lächeln. Sticheleien gegen das griechische Militärregime und die Zypernaktion in den 70er Jahren – alles keine großen Sachen. Er meint, dass Geschichte ohnehin von der gegenwärtigen Politik interpretiert, bisweilen erfunden wird, um Nationen gegeneinander aufzuhetzen. Stimmt irgendwie. Geb ich ihm recht. Besonders locker werden die Zungen dahingehend am Abend beim Tsipouro-Trinken. Tsipouro, das ist eine Art Gemisch aus Raki und Ouzo – Raki mit Anisgeschmack, wenn man so will. Das Gute ist – wenn man in einer Kneipe in Volos ein Gläschen bestellt, bekommt man direkt massenweise Meeresspeisen dazu. Auf diese Weise wird man satt und betrunken. Das funktioniert in der Tat wunderbar. Und mit einem Zwei-Finger-Wink zum Kellner kommen sofort riesige Portionen hinterher. Irgendwann möchte ich nicht einmal den Schnaps, sondern nur das Essen. Mit Alkohol ist das aber wiederum billiger – und so findet sich letztlich keine andere Lösung, als den Tsipero en masse zu konsumieren. Eine schlechte Idee, wenn man am nächsten Tag trampen muss: 14 Autos für eine Strecke von 200 Kilometern – absoluter Rekord, der nicht nur der wirren Wegeführung bis nach Mazedonien, sondern auch meinem leicht verdutzten Erscheinungsbild gestundet war.
Tsipouro
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