Freitag, 26. April 2013

Provokation 11: Mazedonien im albanischen Westen huldigen


Skanderbeg-Steak in Tetovo
Meine Angst, mit dem mazedonischen T-Shirt durch den albanischen Teil des Landes zu fahren schwand mit meiner Erfahrung, die ich in Struga machen konnte.  Und auch wenn ich noch eine Nacht länger in dem Ort bleiben durfte – mich zog es auf die Straße. Lange Wanderungen entlang der Autobahn und erst einmal ewiges Warten bis der erste Wagen anhält. Doch anstatt Albanisch zu hören, schallt mir Deutsch entgegen. Chauffeur und Beifahrer stammen aus der Schweiz und haben sich dazu entschlossen, sich nach dem Militärdienst eine Auszeit zu gönnen – ausgerechnet in der Gegend Mazedoniens, in der überhaupt nichts los ist. Sie wohnen aus unerfindlichen Gründen auf diesem winzigen Dorf Kičevo, das wenn überhaupt für irgendetwas, dann für die Militärkaserne bekannt ist. Und die nervt richtig. Aller zwei Minuten kommen Truppenverbände auf dem Fußweg entlang geschritten und streifen mich geradezu mit ihren Kalaschnikows. 

Für Minuten muss ich pausieren, bis der Heereszug endlich in die nahgelegene Kaserne eingekehrt ist und irgendwann reicht es mir endgültig: Wandern im Gleichschritt bis ich an einem anderen Ort bin.
und noch mal Skanderbeg
Und hier treffe ich auch endlich auf die Albaner. Sie können kaum Englisch – und meine Albanischkenntnisse sind mehr als mies. Trotzdem sind sie von meinem Auftreten im Vergina-T-Shirt allem Anschein nach begeistert. Nach einem kurzen Stopp in Gostivar nehmen Sie mich sogar nach Tetovo vor den Toren Skopjes mit. Ob ich Zeit hätte?, fragen sie mich. Ob sie mich zum Essen einladen könnten? Natürlich sage ich ja und wenige Minuten später sitzen wir in einem Restaurant in der Kleinstadt. Alles was ich möchte, solle ich ordern. Mein Blick fällt auf das mächtige Skanderbeg-Steak, dessen Namensgeber einst den herzzerreißenden Versuch unternahm, Europa von den Türken zu retten. Ob das ein Mazedonier gewesen sei?, frage ich wohlwissend, dass der Feldherr die bedeutendste Nationalfigur Albaniens ist. Es wäre sicherlich eine hervorragende Beleidigung gewesen, wenn oh wenn sie es doch verstanden hätten. Und so schlinge ich die kulinarische Heldenkreation einfach hinunter: Eigentlich ist das Teil nichts weiter, als ein überdimensionales Cordon Bleu – nichtsdestoweniger lecker. 

Angekommen in Skopje
Am Abend komme ich in Skopje an – von einem Truck gebracht und am Messegelände abgeladen. Hier werde ich selber Opfer gemeingefährlicher Provokationen. Ich sitze und sitze – ein Mädchen kommt und fragt nach dem Weg. Ich beginne mit ihr angeregt zu reden, bis plötzlich finstere Gestalten auf uns zuschreiten, die behaupten von der Polizei zu sein und einen Tramper zu suchen. Per Anhalter zu fahren – das wäre illegal in Mazedonien. Das Mädchen wird sofort abgeführt – ich diskutiere. Dass hier irgendetwas nicht stimmt, ist geradezu klar. Doch als ich meine Sachen vor Ort lassen und mitkommen soll, verfalle ich doch in eine leichte Panik. Bevor ich jedoch um mich schlagen kann, taucht mein Couchsurfer auf, der sich diesen Spaß unbedingt gönnen wollte. Wird auf jeden Fall für die Begrüßung meiner nächsten Gäste notiert.

Kicevo

Tetovo
Gostivar

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