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| Abbiegen ins Nirgendwo bei Omare |
Die Tage in Shkoder sollten schön und gemütlich anfangen.
Problemlos bis in die Stadt getrampt, dann weiter bis zu einem
Zeltplatz am See
und dort Gratis-Internet, gutes Essen und Strand genossen. Ja, so war das – und
weil es so war, entschied ich mich einfach mal, noch einen Tag dranzuhängen:
Man will ja Relaxen, spontan dort bleiben, wo es einem gefällt. Little did I
know. Am Abend fing es an, in Strömen zu regnen. Ich rettete mich ins
Restaurant und konnte meinen finalen Badeausflug abschreiben. Und so vertrieb
man sich die Zeit – Tirana-Bier trinkend und Texte schreibend – immer in der
Hoffnung, dass das preiswerte Zweimannzelt, das so gar nicht für zwei Personen
ausgerichtet ist, den Wassermassen standhalten würde. Als ich genau dieses
überprüfen wollte – BANG: Strom weg, Finsternis umhüllt uns alle und ein paar
chaotisch umher tanzende Schatten von Bedienungen fuchteln improvisiert mit zwei/drei
Taschenlampen herum. Gegen zehn war auch das vorbei. Das Restaurant schließt
und man bittet alle Gäste, sich doch besser wieder in ihre Zelte zu begeben.
Gesagt getan – nur, dass in meiner Behausung das Wasser bereits von der Decke
tropfte.
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| Der lange Weg zum Zeltplatz |
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| Erst englischer Rasen, dann Sumpf |
Panisch fragte ich mich, was zu tun sei. Die glorreiche Idee
– ich müsste ins Nachbarzelt ausweichen. Seit Tagen war mir dieses gigantische
Gebilde neben dem Internetmast ins Auge gefallen. Niemand betrat oder verlies
es. Und ich in meiner Not meinte, dass ein kleiner Blick ins Innere lohnenswert
sei. In der Tat: Statt triefend nassen Kleidungsstücken und Schlafsäcken
Trockenheit pur. Durch mehrere Schichten sichtbar geschützt vor dem
Niederschlag drang kein einziger Tropfen in das Zelt. Ich beraumte daher die
sofortige Evakuierung meiner Sachen in diese wunderbare Unterkunft an. Die
nassen Kleidungsstücke, der Schlafsack und mein Zelt gingen dagegen direkt auf
die Restaurantterrasse zum Aufhängen – immer noch hoffend, dass der Regen gegen
Morgen enden und der Sonnenschein eine schnelle Trocknung bis Mittag
herbeiführen würde. Falsch gedacht, während ich so schlief und schlief – und das
übrigens auf bequemen Betten mit noch bequemeren Luxusschlafsäcken (Ja, beides
war in dem mysteriösen Zelt vorhanden) – tröpfelte es weiter.
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| So schön hätte es sein können |
Ich vertröstete mir die Zeit damit darüber nachzudenken, wem
das Zelt wohl gehören mochte. Einer hübschen Albanerin vielleicht, die mich des
Nachts noch besuchen, erschreckt aufblicken und mich dann doch in ihrer Unterkunft
hausen lassen würde? Wunschdenken natürlich. Nächtlichen Besuch bekam ich
keinen – nicht im Positiven, nicht im Negativen. Vermutlich war es ohnehin nur
das Zelt des Campingplatzes, welches an obdachlose Reisende vermietet wird. Sei
es drum. Ich war im Warmen und meine Sachen in trockenen Tüchern. Lediglich den
im Freien hängenden Sachen wurde keine Ruhepause gewährt. Und so schlug es 6,
8, 10, 11, 12 und immer noch kein Stopp in Sicht. Empört stand ich in den
Startlöchern. Den Großteil der Sachen schon gepackt und das Nasse Zeug
mittlerweile in einen übergroßen Plastikbeutel gestopft, in der Hoffnung, dass
ich es wenigstens so bis nach Montenegro schaffen würde. Der Sonnenschein kam
endlich. Gegen 13.00 Uhr durfte ich Albanien mit nassem Gepäck verlassen, mir
meine Aus- und Einreisestempel abholen und mit Freude auf ein Dach überm Kopf
in Podgorica blicken.
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