Sonntag, 5. Mai 2013

Provoziert 2: Fünfzehn Stunden Regen



Abbiegen ins Nirgendwo bei Omare
Die Tage in Shkoder sollten schön und gemütlich anfangen. Problemlos bis in die Stadt getrampt, dann weiter bis zu einem Zeltplatz am See und dort Gratis-Internet, gutes Essen und Strand genossen. Ja, so war das – und weil es so war, entschied ich mich einfach mal, noch einen Tag dranzuhängen: Man will ja Relaxen, spontan dort bleiben, wo es einem gefällt. Little did I know. Am Abend fing es an, in Strömen zu regnen. Ich rettete mich ins Restaurant und konnte meinen finalen Badeausflug abschreiben. Und so vertrieb man sich die Zeit – Tirana-Bier trinkend und Texte schreibend – immer in der Hoffnung, dass das preiswerte Zweimannzelt, das so gar nicht für zwei Personen ausgerichtet ist, den Wassermassen standhalten würde. Als ich genau dieses überprüfen wollte – BANG: Strom weg, Finsternis umhüllt uns alle und ein paar chaotisch umher tanzende Schatten von Bedienungen fuchteln improvisiert mit zwei/drei Taschenlampen herum. Gegen zehn war auch das vorbei. Das Restaurant schließt und man bittet alle Gäste, sich doch besser wieder in ihre Zelte zu begeben. Gesagt getan – nur, dass in meiner Behausung das Wasser bereits von der Decke tropfte.

Der lange Weg zum Zeltplatz
Erst englischer Rasen, dann Sumpf
Panisch fragte ich mich, was zu tun sei. Die glorreiche Idee – ich müsste ins Nachbarzelt ausweichen. Seit Tagen war mir dieses gigantische Gebilde neben dem Internetmast ins Auge gefallen. Niemand betrat oder verlies es. Und ich in meiner Not meinte, dass ein kleiner Blick ins Innere lohnenswert sei. In der Tat: Statt triefend nassen Kleidungsstücken und Schlafsäcken Trockenheit pur. Durch mehrere Schichten sichtbar geschützt vor dem Niederschlag drang kein einziger Tropfen in das Zelt. Ich beraumte daher die sofortige Evakuierung meiner Sachen in diese wunderbare Unterkunft an. Die nassen Kleidungsstücke, der Schlafsack und mein Zelt gingen dagegen direkt auf die Restaurantterrasse zum Aufhängen – immer noch hoffend, dass der Regen gegen Morgen enden und der Sonnenschein eine schnelle Trocknung bis Mittag herbeiführen würde. Falsch gedacht, während ich so schlief und schlief – und das übrigens auf bequemen Betten mit noch bequemeren Luxusschlafsäcken (Ja, beides war in dem mysteriösen Zelt vorhanden) – tröpfelte es weiter.
So schön hätte es sein können
Ich vertröstete mir die Zeit damit darüber nachzudenken, wem das Zelt wohl gehören mochte. Einer hübschen Albanerin vielleicht, die mich des Nachts noch besuchen, erschreckt aufblicken und mich dann doch in ihrer Unterkunft hausen lassen würde? Wunschdenken natürlich. Nächtlichen Besuch bekam ich keinen – nicht im Positiven, nicht im Negativen. Vermutlich war es ohnehin nur das Zelt des Campingplatzes, welches an obdachlose Reisende vermietet wird. Sei es drum. Ich war im Warmen und meine Sachen in trockenen Tüchern. Lediglich den im Freien hängenden Sachen wurde keine Ruhepause gewährt. Und so schlug es 6, 8, 10, 11, 12 und immer noch kein Stopp in Sicht. Empört stand ich in den Startlöchern. Den Großteil der Sachen schon gepackt und das Nasse Zeug mittlerweile in einen übergroßen Plastikbeutel gestopft, in der Hoffnung, dass ich es wenigstens so bis nach Montenegro schaffen würde. Der Sonnenschein kam endlich. Gegen 13.00 Uhr durfte ich Albanien mit nassem Gepäck verlassen, mir meine Aus- und Einreisestempel abholen und mit Freude auf ein Dach überm Kopf in Podgorica blicken.  

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